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Modellbau-Experte: „kraftplex ist fürs Lasern das ideale Material“

Hier zu sehen: eine 0m-Kastenlok des Typs RUR. Foto: Jürgen Hans/Jaffas Moba Shop

In Kindertagen bekam Jürgen Hans eine Modelleisenbahn geschenkt. Als Jugendlicher verlor er sein Hobby aus den Augen – und entdeckte es vor knapp 20 Jahren wieder, als sein Neffe begann, sich für den Modellbau zu interessieren.

Mittlerweile hat sich der 72-Jährige aus Gehrden bei Hannover professionalisiert. In seinem Online-Shop „Jaffas Moba-Shop“ vertreibt er Modelle von Loks, Gebäuden und allerlei Interieur – alles selbst konstruiert. In vielen seiner Bauten kommt kraftplex zum Einsatz. Im Interview teilt Jürgen Hans sein Fachwissen und erzählt, warum er unser Material so gern benutzt. Außerdem gibt er einige Tipps zur Verarbeitung und für Einsteiger:innen in den Modellbau.

Herr Hans, damit ein Material für den Modellbau taugt, welche Eigenschaften sollte es mitbringen?

Je nachdem, welches Ergebnis erzielt werden soll, variiert das Material – zumindest bei meinem Modellbau. Die Absicht ist, ein Modell möglichst dem Vorbild entsprechend nachzuempfinden. Hat ein Gartentisch Holzlatten an der Oberfläche, dann baue auch ich die Oberfläche aus Holz, etwa mit Sperrholz aus dem Modellflugzeugbau. Außerdem sollen diejenigen, die meine Modellbausätze kaufen, möglichst wenig Arbeit haben. Für farbige Flächen nutze ich oft Foto- oder Laserkarton, denn den gibt es in diversen Farben. So erspare ich den Käufer:innen, das Modell selbst lackieren zu müssen. Für konstruktive Parts ist kraftplex mein favorisiertes Material.

Warum setzen Sie bei Konstruktionen auf kraftplex?

Das liegt an der hohen Zähigkeit und Festigkeit des Materials bei einer geringen Bruchempfindlichkeit. Ein Vergleich mit MDF: Wenn Sie Stuhlbeine oder andere kleine, filigrane Möbel im Maßstab 1:45  fertigen möchten, macht MDF in der gleichen Stärke wie kraftplex keinen Sinn. Kommt man einmal an das Bein ran – zum Beispiel beim Rauslösen aus der Platine – ist es schon ab. Das passiert bei kraftplex nicht.

Außerdem lässt sich kraftplex sehr gut biegen.

Ja, diese Eigenschaft nutze ich bei manchen Modellen bewusst. Die Rückenlehnen meiner Modell-Küchenstühle sind gebogen. Einige meiner Konkurrenten konstruieren solche Modell-Möbel mit MDF. Und die sehen dann plump aus. Die gebogene Rückenlehne des kraftplex-Stuhls macht den Unterschied, das Modell wirkt viel lebendiger. Auch bei manchen Waggons nutze ich für den Korpus das 0,5-CL-kraftplex und dessen Biegefähigkeit.

Für diese Stühle, den Hocker und den Tisch, alles im Maßstab 1:45, verwendet Jürgen Hans kraftplex. Durch die Biegsamkeit des Materials sehen die Modelle viel lebendiger aus.
Für diese Stühle, den Hocker und den Tisch, alles im Maßstab 1:45, verwendet Jürgen Hans kraftplex. Die Zähigkeit des Materials erlaubt feinste, vorbildgerechte Dimensionen ohne Bruchgefahr und die kleine Wölbung der Lehnen perfektioniert die stimmige Wirkung. Foto: Jürgen Hans

Was gefällt Ihnen noch am Werkstoff kraftplex?

Wenn ich wieder MDF und kraftplex vergleiche: Ich lasere sehr ungern MDF. Durch die Bindemittel darin sind die Schnittkanten meist verrußt. Dass kraftplex weder Lösungs- noch Bindemittel enthält, erhöht für mich den Sympathiefaktor, dieses Material zu benutzen.

Wofür kommen die verschiedenen Ausführungen von kraftplex (ST 1 mm, 1,5 mm, 3 mm; CL 0,5 mm) bei Ihren Modellen zum Einsatz?

Das ST-kraftplex ist dann gut zu benutzen, wenn es um konstruktive Unterbauten geht. Das 3-Millimeter-Material setze ich zum Beispiel für Fahrzeugrahmen ein, wo man nur auf die Schnittkante guckt. Die ist durch die Bearbeitung mit dem Laser bei kraftplex perfekt glatt, ohne Schmauchspuren. Das glatte CL-kraftplex nutze ich gern für sichtbare Oberflächen.

Aus dem Blickwinkel eines Modellbauers: Inwiefern könnte kraftplex für dieses Einsatzgebiet noch mehr optimiert werden?

Dass kraftplex das glatte 0,8er-Material nicht mehr im Angebot hat, ist für mich schade. Mit dem 0,8-Millimeter-kraftplex lassen sich feinere Strukturen herausarbeiten. Die Zwischenstufe zwischen 0,5 und 1,0 macht für mich den Unterschied. Außerdem ist die nicht ganz glatte Oberfläche der ST-Varianten für viele sichtbare Teile das Ausschlusskriterium im Modellbau. Teils überklebe ich die ST-Varianten deshalb mit einer Schicht 0,5-Millimeter-CL-kraftplex. Denn das ist ja glatt.

Modellbauer Jürgen Hans sitzt in seiner Werkstatt. Foto: Sarah Franke

Welchen Klebstoff empfehlen Sie denn für das Arbeiten mit kraftplex?

Wo immer es möglich und sinnvoll ist, konstruiere ich mit Steckverbindungen; in diesen Fällen wird erst gesteckt und dann mit einem Tropfen dünnflüssigem Sekundenkleber fixiert. Häufig verwende ich auch „Uhu hart“, einen schnelltrocknenden Spezialkleber. Dauert der Montage-Prozess länger, nutze ich eher kleine Mengen Bastelkleber mit einer ähnlichen Konsistenz wie Weißleim, der trocknet nicht so schnell. Bei solchen wasserbasierten Klebstoffen ist aber Vorsicht geboten, denn kraftplex reagiert wie andere organische Materialien auf Feuchtigkeit und verformt sich gegebenenfalls.

Inwieweit lässt sich kraftplex farbig gestalten, welche Erfahrungen haben Sie hier in der Praxis gemacht?

Nur gute. Wenn es kleine Bauteile sind, streiche ich sie mit Acrylfarbe. Ich nutze solche, die sonst für Tabletop-Figuren gedacht ist. Die lässt sich sehr gut mit Pinsel oder Airbrush verarbeiten. Ein Tipp: Für größere Flächen speziellen Modellbau-Sprühlack aus der Dose nutzen. Damit kann man feinste Details erhalten.

Haben Sie weitere Tipps zum Bearbeiten von kraftplex für andere Modellbauer:innen, die unser Material vielleicht noch nicht so gut kennen?

Für die Bearbeitung mit dem Laser ist kraftplex meiner Meinung nach das ideale Material. Bei anderen mechanischen Bearbeitungen wie Schneiden, Schleifen oder Bohren ist kraftplex nicht ganz optimal. Denn dabei kann es passieren, dass das Material etwas ausfasert. Gute, scharfe Werkzeuge und ein behutsames Arbeiten leisten hier Abhilfe.

Für das Innenleben vieler seiner Modelle benutzt Jürgen Hans kraftplex. Foto: Jürgen Hans
Für den Rohbau vieler seiner Modelle benutzt Jürgen Hans kraftplex. Foto: Jürgen Hans

Was raten Sie Anfänger:innen, die gerade mit dem Modellbau beginnen: Wie schafft man am besten den Einstieg? 

Wer sich mit Lasercut-Modellbau beschäftigen möchte, dem rate ich sogenannte „FabLabs“ oder „Maker Spaces“ zu nutzen. Die gibt es in allen größeren Städten. Das hat für Anfänger einige Vorteile. Zum Beispiel stehen dort ordentliche Maschinen, die hochqualitatives Arbeiten ermöglichen. Außerdem bieten solche Institutionen auch Kurse an, in denen Einsteiger:innen lernen, die Maschinen zu bedienen. Auch beim Machen gibt es in den „FabLabs“ und „Maker Spaces“ Unterstützung.

Interview: Sarah Franke